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Was man einem Trauernden sagt – und was nie
Veröffentlicht am 4. Januar 202634:43 Minuten
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Solange organisiert werden musste, ging es. Es gab Termine, Anrufe, Formulare, Menschen im Haus. Und dann ist die Beerdigung vorbei, das Geschirr ist gespült, die letzten Gäste sind gefahren — und es ist still.
Viele Trauernde beschreiben genau diesen Punkt als den schlimmsten. Nicht den Todestag, nicht die Beerdigung. Die Woche danach.
Das ist keine Verschlechterung Ihres Zustands. Es ist der Punkt, an dem der Schock nachlässt und das begreift, was vorher nur gewusst war. Dass es Ihnen jetzt schlechter geht als vor zwei Wochen, heißt nicht, dass etwas schiefläuft.
Nach etwa zwei bis drei Wochen werden die Anrufe weniger. Für die anderen ist die Beerdigung ein Abschluss gewesen; für Sie fängt es gerade erst an. Die meisten melden sich nicht aus Gleichgültigkeit nicht mehr, sondern weil sie fürchten, im falschen Moment zu stören oder etwas Falsches zu sagen.
Das Unangenehme daran: Auflösen lässt sich das in aller Regel nur von Ihrer Seite. Ein Satz genügt.
Menschen helfen gern, wenn sie wissen, wie. Die meisten warten nur darauf, dass jemand ihnen eine Aufgabe gibt.
Hätte ich früher den Notarzt gerufen. Warum bin ich an dem Abend nach Hause gefahren. Ich war gereizt an dem letzten Morgen. Ich habe nicht gesagt, was ich hätte sagen sollen.
Solche Gedanken sind nichts Ungewöhnliches. Sie kommen meist nachts, und sie sind erstaunlich hartnäckig, weil sie sich vernünftig anfühlen.
Was dabei übersehen wird: Sie beurteilen Ihre damaligen Entscheidungen mit einem Wissen, das Sie damals nicht hatten. In dem Moment, in dem Sie nach Hause gefahren sind, wussten Sie nicht, dass es die letzte Nacht war. Niemand wusste das. Der Vorwurf unterstellt Ihnen eine Voraussicht, die kein Mensch hat.
Wenn die Gedanken sich festfahren und immer im Kreis laufen, ist das einer der Punkte, an denen eine Trauerbegleitung wirklich hilft. Dafür muss nichts „schlimm genug“ sein.
In den ersten Wochen sind Erschöpfung, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Herzklopfen, Schwindel und eine erstaunliche Vergesslichkeit üblich. Viele Trauernde werden in dieser Zeit häufiger krank als sonst.
Trotzdem gilt: Gehen Sie mit körperlichen Beschwerden zum Arzt, statt sie der Trauer zuzuschreiben. Gerade Herzbeschwerden und anhaltende Schmerzen gehören abgeklärt. Erwähnen Sie dabei ruhig, dass Sie vor kurzem einen Menschen verloren haben — das hilft bei der Einordnung.
Drei Dinge, die helfen und nichts kosten: jeden Tag einmal vor die Tür, und sei es bis zum Briefkasten. Zu festen Zeiten essen, auch ohne Appetit. Und eine feste Aufstehzeit, auch wenn die Nacht schlecht war.
Eine Trauergruppe oder eine Trauerbegleiterin in Ihrer Nähe finden Sie über die Adressen auf der Seite Hilfe finden. Viele Gruppen sind kostenlos und man kann einfach einmal hingehen und wieder gehen.
In den ersten Wochen kommen die Schreiben: Versicherungen, Bank, Rentenversicherung, Vermieter, Zeitungsabo, Mobilfunkvertrag. Das meiste hat Zeit, aber es wird mehr, wenn man es liegen lässt.
Legen Sie sich eine einzige Kiste an und werfen Sie alles hinein, was mit dem Todesfall zu tun hat. Nehmen Sie sich zweimal in der Woche eine halbe Stunde dafür — mit Wecker, und danach hören Sie auf. Das ist deutlich erträglicher, als einen ganzen Tag lang dabei zu bleiben.
Welche Stelle was braucht und in welcher Reihenfolge, steht auf der Checkliste zum Ausdrucken.

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