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WürdeZeit

Die Beerdigung ist vorbei

Nach der Beerdigung kehren alle anderen in ihren Alltag zurück. Genau dann fällt bei vielen zusammen, was vorher getragen hat. Das ist keine Verschlechterung, sondern der übliche Verlauf.

Solange organisiert werden musste, ging es. Es gab Termine, Anrufe, Formulare, Menschen im Haus. Und dann ist die Beerdigung vorbei, das Geschirr ist gespült, die letzten Gäste sind gefahren — und es ist still.

Viele Trauernde beschreiben genau diesen Punkt als den schlimmsten. Nicht den Todestag, nicht die Beerdigung. Die Woche danach.

Das ist keine Verschlechterung Ihres Zustands. Es ist der Punkt, an dem der Schock nachlässt und das begreift, was vorher nur gewusst war. Dass es Ihnen jetzt schlechter geht als vor zwei Wochen, heißt nicht, dass etwas schiefläuft.

Warum die anderen sich zurückziehen

Nach etwa zwei bis drei Wochen werden die Anrufe weniger. Für die anderen ist die Beerdigung ein Abschluss gewesen; für Sie fängt es gerade erst an. Die meisten melden sich nicht aus Gleichgültigkeit nicht mehr, sondern weil sie fürchten, im falschen Moment zu stören oder etwas Falsches zu sagen.

Das Unangenehme daran: Auflösen lässt sich das in aller Regel nur von Ihrer Seite. Ein Satz genügt.

  • „Ruf mich ruhig an. Auch wenn du nicht weißt, was du sagen sollst — dann reden wir eben über etwas anderes.“
  • „Mir wäre wohler, wenn du einfach vorbeikämst, ohne vorher zu fragen, ob es gerade passt. Es passt nie.“
  • „Was mir wirklich helfen würde: einmal die Woche zusammen einkaufen fahren.“

Menschen helfen gern, wenn sie wissen, wie. Die meisten warten nur darauf, dass jemand ihnen eine Aufgabe gibt.

Die Gedanken, die nachts kommen

Hätte ich früher den Notarzt gerufen. Warum bin ich an dem Abend nach Hause gefahren. Ich war gereizt an dem letzten Morgen. Ich habe nicht gesagt, was ich hätte sagen sollen.

Solche Gedanken sind nichts Ungewöhnliches. Sie kommen meist nachts, und sie sind erstaunlich hartnäckig, weil sie sich vernünftig anfühlen.

Was dabei übersehen wird: Sie beurteilen Ihre damaligen Entscheidungen mit einem Wissen, das Sie damals nicht hatten. In dem Moment, in dem Sie nach Hause gefahren sind, wussten Sie nicht, dass es die letzte Nacht war. Niemand wusste das. Der Vorwurf unterstellt Ihnen eine Voraussicht, die kein Mensch hat.

Wenn die Gedanken sich festfahren und immer im Kreis laufen, ist das einer der Punkte, an denen eine Trauerbegleitung wirklich hilft. Dafür muss nichts „schlimm genug“ sein.

Trauer geht durch den Körper

In den ersten Wochen sind Erschöpfung, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Herzklopfen, Schwindel und eine erstaunliche Vergesslichkeit üblich. Viele Trauernde werden in dieser Zeit häufiger krank als sonst.

Trotzdem gilt: Gehen Sie mit körperlichen Beschwerden zum Arzt, statt sie der Trauer zuzuschreiben. Gerade Herzbeschwerden und anhaltende Schmerzen gehören abgeklärt. Erwähnen Sie dabei ruhig, dass Sie vor kurzem einen Menschen verloren haben — das hilft bei der Einordnung.

Drei Dinge, die helfen und nichts kosten: jeden Tag einmal vor die Tür, und sei es bis zum Briefkasten. Zu festen Zeiten essen, auch ohne Appetit. Und eine feste Aufstehzeit, auch wenn die Nacht schlecht war.

Wann Sie sich Hilfe holen sollten

Trauer ist keine Krankheit und braucht keine Behandlung. Es gibt aber Anzeichen, bei denen Sie nicht abwarten sollten, ob es von selbst besser wird.

Bitte sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin, wenn

  • Sie Gedanken haben, sich das Leben zu nehmen
  • Sie seit Wochen kaum noch essen oder deutlich abgenommen haben
  • Sie mehr trinken als früher oder Beruhigungsmittel nehmen, um durch den Tag zu kommen
  • Sie das Haus seit Wochen nicht mehr verlassen haben
  • Sie über Monate hinweg keinerlei Regung mehr spüren — weder Trauer noch sonst etwas

Nichts davon heißt, dass Sie verrückt werden. Es heißt, dass die Belastung gerade größer ist, als ein Mensch allein tragen sollte. Die Hausärztin ist dafür die richtige erste Adresse — sie kennt Sie und weiß, wohin sie weiterverweisen kann.

Eine Trauergruppe oder eine Trauerbegleiterin in Ihrer Nähe finden Sie über die Adressen auf der Seite Hilfe finden. Viele Gruppen sind kostenlos und man kann einfach einmal hingehen und wieder gehen.

Und die Papiere?

In den ersten Wochen kommen die Schreiben: Versicherungen, Bank, Rentenversicherung, Vermieter, Zeitungsabo, Mobilfunkvertrag. Das meiste hat Zeit, aber es wird mehr, wenn man es liegen lässt.

Legen Sie sich eine einzige Kiste an und werfen Sie alles hinein, was mit dem Todesfall zu tun hat. Nehmen Sie sich zweimal in der Woche eine halbe Stunde dafür — mit Wecker, und danach hören Sie auf. Das ist deutlich erträglicher, als einen ganzen Tag lang dabei zu bleiben.

Welche Stelle was braucht und in welcher Reihenfolge, steht auf der Checkliste zum Ausdrucken.

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